Heute ist Weltpflanzenmilchtag!

Heute am 22. August ist Weltpflanzenmilchtag ♥ Und somit Zeit das Thema mal genauer zu beleuchten.

Wie gesund und nachhaltig ist Pflanzenmilch?

Pflanzenmilch aus Hafer, Soja, Mandel & Co sind heute für viele ganz selbstverständlich und werden nicht nur von Veganern gern gekauft. Es sind hauptsächlich die Flexitarier und Menschen die ihren Konsum an tierischen Produkten zugunsten der Gesundheit und der Umwelt reduzieren möchten, die zur Pflanzenmilch greifen. Dabei ist die pflanzliche Geschmacksvielfalt enorm gewachsen und reicht von den klassischen Sorten über Schwarzer Reis, Quinoa mit Hanf, Haselnuss, Kokos, Schoko und Vanille bis hin zur Barista Milch für den perfekten Schaum. Doch wie gesund und nachhaltig sind diese wirklich? Woran erkennt man eine gute Pflanzenmilch und welche Zusatzstoffe können sinnvoll sein? Das alles schauen wir uns jetzt mal genauer an.

Welche Nährstoffe stecken in Pflanzenmilch?

Je nach Sorte variieren die Nährstoffe, doch allgemein lässt sich sagen, dass sie über ein breites Spektrum an gesunden Fetten, sekundären Pflanzenstoffen und Antioxidantien verfügen. Diese wirken sich wiederum entzündungshemmend und antikanzerogen auf den Körper aus. Sie sind zudem eine von Natur aus Laktose/ Cholesterinfreie sowie fettarme Alternative für Menschen die in ihrer Ernährung speziell darauf achten müssen oder wollen. Auch der Zuckergehalt ist wesentlich geringer, was sich auf den fehlenden Milchzucker zurück führen lässt. Im Gegensatz zu Kuhmilch enthalten die meisten Pflanzenmilchsorten allerdings nur wenig Kalzium, was durch den Zusatz einer bestimmten Rotalge (Lithothamnium Calcareum) aber ohne Probleme wieder ausgeglichen werden kann. Durch den Zusatz der Alge enthalten die Pflanzenmilchsorten, die damit angereichert wurden, die gleiche Menge an Kalzium wie Kuhmilch.

Mehr zum Thema Kalzium erfährst du in meinem Artikel: Kalziumbedarf pflanzlich decken

Beim Eiweißgehalt sind Soja und Erbsen- Milchalternativen der Kuhmilch am nächsten. Diese enthalten alle ca. 3,3g pro 100 ml ebenso wie Kuhmilch. Andere Sorten liegen meist darunter. Dafür kann besonders Hafer beim Ballaststoffgehalt  punkten. Kuhmilch dagegen enthält keine Ballaststoffe. 

Pflanzenmilch zählt übrigens ebenso wie Kuhmilch nicht zu den Getränken! Das liegt an der hohen Kaloriendichte. Ein Glas Sojamilch ( 200g) entspricht ca. 74 kcal, so viel wie ein Apfel oder eine kleine scheibe Roggenbrot. Die gleiche Menge Kuhmilch mit 3,5 % Fett hat sogar 130 kcal.

Bio oder konventionell?

Gar keine so leichte Frage. Im Bezug auf die Zusatzstoffe und die Umweltverträglichkeit schneidet ganz klar die Bio Variante am Besten ab. Hier darf nur das Nötigste rein. Bei den Konventionellen Pflanzenmilch-Sorten sind oft sehr viele, teils unnötige Zusatzstoffe wie Aromen, Süßungsmittel und Stabilisatoren mit drin. Das macht sie zwar lecker, aber nicht unbedingt gesünder. Eine Anreicherung mit Vitamin B12 und Vitamin D ist dagegen aber sogar sinnvoll und kann eine ausgewogene Ernährung zusätzlich ergänzen, nicht nur für Veganer 😉 Kalzium kann durch Vitamin D besser aufgenommen werden. Interessanterweise sind in Kuhmilch gerade mal 0,09µg/ 100g Vitamin D enthalten. In einer angereicherten Pflanzenmilch dagegen etwa 0,75 µg/ 100g. Also wesentlich mehr und könnte dadurch einen wertvollen Beitrag zur ausreichenden Vitamin D Versorgung leisten .Die Anreicherung mit Vitaminen ist in Bio Produkten allerdings verboten. 

Geschmacklich bieten konventionelle Produkte mehr Vielfalt, was im Bio Bereich aufgrund der strengen Vorschriften nur schwer möglich ist. Mein Tipp: So oft wie möglich Bio Produkte kaufen. Wenn Konventionell, dann bitte auf die Zusatzstoffe achten und unnötige so gut es geht vermeiden… und ab und zu darf es dann auch mal eine nur wegen der fancy Geschmacksrichtung sein. #Nobodysperfect

Wie gesund und nachhaltig ist Pflanzenmilch?

Wie entsteht eigentlich Pflanzenmilch?

Damit aus Pflanzen ein leckerer Milchersatz wird, sind ein paar Verarbeitungsschritte nötig. Zuhause reicht im Grunde genommen ein Mixer und ein feines Sieb bzw. ein Nussmilchbeutel. Die Nüsse bspw. werden für ein paar Stunden oder besser noch über Nacht eingeweicht. Bei Haferflocken reichen ca. 10 min. Diese werden dann zusammen mit Wasser im Mixer verarbeitet, in einen Nussmilchbeutel gefüllt und anschließend ausgepresst. Am Ende erhält man seine eigene Pflanzenmilch. Die lässt sich noch super mit Gewürzen, Algenpulver (Kalzium) und  natürlichen Süßungsmittel wie Datteln uvm. aufpeppen. Das was im Nussmilchbeutel übrig bleibt, kann man total gut für Bratlinge oder fürs Müsli verwenden und muss nicht weggeschmissen werden. Im Gegenteil! Es enthält noch viele wertvolle Ballaststoffe und Vitamine.  

Und für alle, denen der Aufwand zu groß ist…Es gibt noch eine „Faule Variante“(Meine Lieblings-Variante 😉 ) die geht sogar noch einfacher und ohne großen Schnickschnack oder Sauerei… Einfach 2 EL Nussmus + 1 Liter Wasser+ was immer ihr wollt = Schnellste leckerste Pflanzenmilch 🙂 

Spannend ist auch…es gibt mittlerweile sogar spezielle Pflanzemilchbereiter für Zuhause, die so einfach wie eine Kaffeemaschine funktionieren. 

In der Industrie läuft das dann so:

So geht Industrielle Pflanzenmilch Herstellung (2)

Wie nachhaltig ist Pflanzenmilch?

Das kommt tatsächlich auf die Sorte und die Anbauweise an ( Bio oder Konventionell), denn obwohl Pflanzenmilch wesentlich umweltfreundlicher ist als Kuhmilch, unterscheiden sie sich untereinander in Bezug auf die Treibhausgas-Emissionen, sowie die Auswirkung auf Land und Wasser. So verbraucht eine Mandelmilch locker mal ca. 371 Liter Wasser bis 1 Liter davon hergestellt werden kann! Das liegt daran, dass ca. 80% der verarbeitenden Mandeln weltweit aus Kalifornien stammen. Ein sehr trockenes Gebiet, wo hauptsächlich Monokulturen angepflanzt werden. Dafür hat sie aber die geringsten Treibhausgas- Emissionen mit 0,7 kg CO2äq pro Liter. Im Vergleich: Für einen Liter Kuhmilch werden ca. 628 Liter Wasser und 3,2 kg CO2äq pro Liter benötigt. Also immer noch sehr viel mehr als für die Mandelmilch. Es gibt aber auch Hersteller die ausschließlich europäische Mandeln verarbeiten. Da dürfte die Wassermenge etwas niedriger ausfallen, aber dennoch höher als bei den Klassikern Soja und Hafermilch. Die beliebtesten Sorten auf dem Pflanzenmilchmarkt. 

Sojamilch verbraucht mit ca. 28 Litern am Wenigsten Wasser, Hafermilch liegt bei ca. 48 Litern. Bei den Treibhausgas-Emissionen sind beide fast gleich auf. 

Was auch sehr erfreulich ist: Eine Recherche der Verbraucherzentrale Hamburg zur Herkunft der Sojabohnen in Sojadrinks von verschiedenen Herstellern ergab ein eindeutiges Bild- Kein einziger Sojamilch-Hersteller bezog Sojabohnen aus Südamerika! Alle verwendeten Rohstoffe wurden meist innerhalb Europas bzw. sogar regional im eigenen Land bezogen.

Was man bei der Kuhmilch nicht behaupten kann. Aufgrund der Fütterung steckt auch in Milch ein gewisser Teil an Soja. Jedoch wird dieser meist aus dem Ausland, vorwiegend aus Südamerika bezogen, denn ca. 80% der weltweiten Soja-Ernte werden an Nutztiere verfüttert. 

Allgemein lässt sich sagen, dass Nuss-Milch nicht so umweltfreundlich wie Pflanzenmilch aus der Region ist. Hier ist die Hafermilch einfach unschlagbar! 

Hier nochmal ein kleiner Überblick: 

Wie gesund und nachhaltig ist Pflanzenmilch?

Warum ist Pflanzenmilch so teuer?

Das liegt an der unterschiedlichen Besteuerung. Während Kuhmilch mit 7% in Deutschland besteuert wird gelten bei Pflanzenmilch 19% Mehrwertsteuer. Die Umweltbelastungen, die durch die Herstellung und Verarbeitung entstehen werden hierbei aber nicht berücksichtigt. Laut aktuellen Studien müssten tierische Produkte 3x so teuer sein als pflanzliche, wenn man alle Faktoren auf die Umwelt mit einbezieht! Herkömmliche Milch müsste somit ca. 30% teurer werden und Bio Milch ca. 10% mehr kosten. Die Leistungen, die bestimmen auf was wieviel Mehrwertsteuer erhoben wird sind zudem ziemlich veraltet. Sie wurden in den späten 1968er Jahren festgelegt und sind heute einfach nicht mehr zeitgemäß. 

es geht nicht ohne die Ethik...

Wenn wir über Milch und Pflanzenmilch sprechen lässt sich die Ethik dabei leider nicht ausklammern. Die Milchindustrie trägt nämlich einen enormen Teil zum  heutigen Tierleid bei. Vielen Menschen ist das aber vielleicht ( noch) nicht bewusst. Zeit ein paar Mythen aufzuklären:

1. Mythos:  Milchkühe geben immer und zu jeder Zeit Milch, denn wenn sie nicht gemolken werden platzt ihnen das Euter?

Das stimmt so nicht, denn Kühe sind Säugetiere, genauso wie Katze,Hund, Maus und Mensch. Säugetiere geben aber nur dann Milch wenn sie Nachwuchs zur Welt gebracht haben. Ist der Nachwuchs abgestillt, versiegt auch der Milchfluss der Mutter wieder. 

Deshalb wird in der konventionellen Landwirtschaft kontinuierlich dafür gesorgt das Milchkühe so schnell wie möglich wieder schwanger werden und zwar durch künstliche Befruchtung. Das geschieht in der Regel ca. 6 Wochen nachdem sie gekalbt hat. Ihr Kalb darf die Mutter übrigens nicht behalten. Es wird ihr kurz nach der Geburt weg genommen und separat von den anderen aufgezogen. Wie in jeder Mutter- Kind Beziehung ist die Bindung sehr stark und dadurch sehr schmerzlich und traumatisierend für beide. Ein weibliches Kalb erleidet das gleiche Schicksal wie ihre Mutter, ein männliches Kalb wird nach spätestens einem Jahr geschlachtet. Die Kälber werden zudem mit einer Ersatzmilch aufgezogen, weil die Milch dem Menschen vorbehalten bleiben soll. Eine Milchkuh wird bereits nach ca. 4-5 Jahren geschlachtet. Nach diesem Zeitraum ist sie Körper so ausgelaugt, das ihre Milchleistung nachlässt und ihre Abwehrkräfte schwinden, was sie anfälliger für Krankheiten macht. Ihre natürliche Lebenserwartung liegt bei ca. 20-30 Jahren!

In Bio Milchbetrieben gibt es zur konventionellen Tierhaltung Unterschiede, dort darf das Kalb ganze 3 Tage bei der Mutter bleiben, bzw teilweise sogar länger, bekommt dafür aber einen Nasenring mit Dornen verpasst, einen sogenannten Saugentwöhner,  der die Mutterkuh piekst sobald das Kalb von seiner ihm zugedachten Milch trinken will. Aber auch hier wird das männliche Kalb nach kurzer Zeit getötet und die Mutterkuh nach 4-5 Jahren. 

2. Mythos: Für Milch muss kein Tier sterben…

Das ist ein Trugschluss, denn die Milch und die Fleischindustrie sind eng miteinander verknüpft wie bereits oben beschrieben. 

Was viele aber auch nicht wissen…für Pflanzenmilch werden teilweise ebenso Tiere ausgebeutet, nämlich für die Bestäubung der Pflanzen wie bspw. der Mandelbäume. Diese werden dort als Nutztiere eingesetzt um die enorme Menge an Mandeln überhaupt erst produzieren zu können. Die amerikanische Bienen-Industrie ist untrennbar mit der Mandel- Industrie verbunden. Pro Lagerfläche werden ca. 1,9 Kolonien an Bienen dafür benötigt. Bei einer geschätzten Lagerfläche von 1000.000 kamen im Jahr 2017/2018 also rund 40.857.600.000 Bienen zum Einsatz. Nicht gerade wenig. Konventionelle Bienen- Haltung erlaubt zudem das Stutzen der Flügel bei der Bienenkönigin um den Schwarm beisammen zu halten. Sie werden außerdem künstlich befruchtet und bekommen nichts von ihrem eigenen Honig ab, sondern nur Zuckerwasser, was ihre Abwehrkräfte mindert und sie anfälliger für Krankheiten macht. Antibiotika Gabe ist ebenfalls in dieser Haltungsform erlaubt. 

Fazit

Pflanzenmilch bietet reichlich Abwechslung auf dem Tisch und kann auch geschmacklich überzeugen. Man kann sie problemlos wie Kuhmilch verwenden und bietet einige gesundheitliche Vorteile. Sie ist ethischer und umweltfreundlicher als die tierische Variante. Lediglich Mandelmilch sollte nicht die Standard Pflanzenmilch werden, bei Hafermilch darf man dagegen ruhig öfter zugreifen 🙂 

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